Viele meiner Freunde, Verwandten und Arbeitskollegen haben schon Kinder. Man kann sich vorstellen, dass ich immer, wann sich die Gelegenheit bietet, bereit bin, auf den Auslöser zu drücken. Die Unschuld, das Natürliche, das mit einem Kind einhergeht, fasziniert mich, egal, ob Junge oder Mädchen, ob Baby oder schon etwas älter. Auch hier lege ich aber keinen Wert auf ein Fotobuch, das sich von vorne bis hinten aus gestellten Fotos aufbaut. Kinder, die fröhlich im Spiel vertieft sind, sich nicht um ihre Umwelt kümmern, die sind es, die ich verewigen möchte. Ein kleiner Sonnenschein, der sich gedankenverloren mit einer Blume, einem Schmetterling oder einer anderen Kleinigkeit beschäftig, kann so viele Aussagen in seinem Gesicht haben. Da reicht die Palette von Entzücken über Erstaunen, bis hin zu Schrecken, wenn der Schmetterling zum Beispiel ansetzt, um seinen Flug fortzusetzen. Ich gerate direkt ins Schwärmen, wenn ich an die tollen Bilder denke, die hier möglich sind.
Es ist natürlich auch so, dass ich einen gewissen Hintergedanken beim Knipsen verfolge. Schließlich kenne ich die Eltern der fotografierten Kinder allesamt recht gut. Da ist es doch ein Leichtes, diese zum Geburtstag mit einem Geschenk zu bedenken. So kann ich die Aufnahmen verwenden, um Freude zu schenken. Ein Fotobuch vom eigenen Kind hat man immer gerne, denke ich. Auch, wenn man selbst eines gemacht hat und ein anderer Freund vielleicht auch schon eines gebracht hat: In so einem Fotobuch ist immer das gleiche Motiv, aber immer mit anderen Augen fotografiert. Die Eltern interessierte das Kind an sich, den einen Freund das Zusammenspiel mit anderen Kindern und mich eben die Mimik der Situationen. Auch Großaufnahmen von strahlend blauen Augen, in DIN-A4 auf die Fotobuch Seiten gedruckt, sind besondere Bilder für mich. Ein Kind, das verträumt in den Himmel blickt. Ein Mädchen, dem gerade die erste Träne eines verzweifelten Weinens über die Wange rollt. Oder ein kleiner Lausejunge, der strahlend lacht, weil er ein neues Auto geschenkt bekommen hat: Die Vielfalt an Kinderfotos ist so riesig, dass Tausend Fotografen nicht ein einziges Mal das gleiche Bild aufnehmen werden, selbst, wenn das Modell immer das gleiche ist.
Unschuld ist auch ein Gedanke, den ich mit jedem Kinderbild in Verbindung bringe. Eine Unschuld, die nicht nur so lange, wie möglich, beim Kind selbst bewahrt werden sollte, sondern auch in jedem Foto, das gemacht wird. Ein Säugling, der frisch gewickelt, satt und zufrieden in seinem Babybett schläft, vermittelt dieses Bild genau so, wie ein 8-jähriger, der schaukelt und dabei offen in die Kamera blickt und lacht. Kinder sind unsere Zukunft, aber auch eines der liebsten Motive, die ich fotografiere.
